Fenske, WB 30.12.2016

Fenske, WB 30.12.2016

 

Hans-Hermann Fenske betreut junge Flüchtlinge als ehrenamtlicher Vormund
Westfalenblatt, 30.12.2016

Brakel(WB). Kümmerer, Lotse und väterlicher Freund: Von Behördengängen bis hin zur Wahl der richtigen Schulform steht Hans-Hermann Fenske jungen minderjährigen Flüchtlingen als ehrenamtlicher Vormund beherzt zur Seite. Nach einem Jahr haben »seine« Jungs im fremden Land Tritt gefasst. »Ohne Herrn Fenske hätten wir das nicht geschafft«, schaut Jalal (17) aus Syrien dankbar zurück.
Hans-Hermann Fenske (67) ist ein Mann der Tat. Er redet nicht lange, er handelt. Diese Macher-Qualitäten sind der Hauptschule Brakel lange zugute gekommen. Bis 2011 leitete der Pädagoge die Schule erfolgreich. Nach dem Abschied betreute er an seinem vormaligen Arbeitsplatz eine Fußball-AG weiter. Hier traf er im August 2015 den damals 16-Jährigen Mohamed A. aus Syrien. Um effektiv helfen zu können, übernahm er für ihn und drei weitere unbegleitete minderjährige Flüchtlinge die ehrenamtliche Vormundschaft. Anderen jungen Geflüchteten steht er ohne offizielles Amt ebenfalls zur Seite.
Von diesem vielseitigen Einsatz kündet ein prall gefüllter Aktenordner. »Mein Tag fängt immer mit zwei Stunden am Schreibtisch an«, berichtet Fenske. »Jeder der Jungs hatte andere Probleme.« Jalal aus Afghanistan wusste beispielsweise nicht, wo seine Familie ist. Hans-Hermann Fenske schaltete den internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes ein. Der 17-Jährige sucht leider immer noch. Mohamed hatte, als er nach Brakel kam, zwar Kontakt zu seinen Angehörigen. Er bekam aber immer Schreckensmeldungen aus seiner syrischen Heimat. Diese seelischen Belastungen muss ein junger Mensch erst mal verkraften. Hans-Hermann Fenske war da.
Parallel kümmerte er sich für »seine Jungs« um die Anhörungen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und nicht zuletzt auch um die richtigen Bildungswege. Dazu galt es, Zeugnisse übersetzen und Abschlüsse anerkennen zu lassen. Bei Jalal aus Syrien und Ayman aus dem Irak ist jeweils die Fachoberschulreife anerkannt worden. Der junge Syrer baut darauf auf, indem er in Holzminden die elfte Fachoberschulklasse inklusive Jahrespraktikum beim Brakeler Bauunternehmen Allerkamp-Lücking besucht. Ayman geht einen ähnlichen Weg in der Fachoberschule für Gesundheit und Soziales in Brakel. Sein praktischer Arbeitsplatz ist das St.-Josef-Hospital Bad Driburg.
Jalal und Mohammad aus Afghanistan haben in der Heimat nicht so lange die Schule besucht. Sie gehen in die internationale Förderklasse des Kreisberufskollegs Brakel. »Hier besteht die Möglichkeit, dass sie den Hauptschulabschluss schaffen. Das ist bei dem geringen Schulbesuch auch eine gute Perspektive.«
Die jungen Leute müssen »sehr viel lernen«. Zum Ausgleich versüßt Hans-Hermann Fenske ihnen den Alltag mit Freizeitaktivitäten: Kanufahren auf der Weser, Camping an der Nordsee, ein Zoobesuch in Münster, Schlittenfahren im Solling Anfang 2016: »Wir freuen uns, dass Herr Fenske so viel mit uns unternimmt«, sagen die Jungs. Der Brakeler selbst dankt auch den Sportvereinen von der Spielvereinigung Brakel bis hin zu »Non-Stop-Ultra«, die die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen.
»Ich hoffe, dass sie mit der Zeit immer mehr alleine schaffen«, schaut Hans-Hermann Fenske nach vorne. Für Mohammad aus Afghanistan und Mohamed aus Syrien ist mit dem 18. Geburtstag die Vormundschaft erloschen. Bei Jalal ging sie aus anderen Gründen zu Ende: Er gehört zu den ganz wenigen, die den Familiennachzug geschafft haben. Die Freundschaft mit Hans-Hermann Fenske bleibt.
Der Kümmerer hat, wie er sagt, in seinem Umfeld viel Unterstützung, aber auch Unverständnis erfahren. Menschen, von denen er es am wenigsten erwartet hätte, »stehen der Sache reserviert und vorurteilsbehaftet gegenüber«. Das sei nicht schön, halte ihn aber nicht ab. »Ich ziehe es durch, egal was andere sagen.«
Einen Appell richtet er an die Bürgerinnen und Bürger: »Helft den jungen Menschen. Es muss gar keine Vormundschaft sein. Ein, zwei Stunden Hausaufgabenhilfe reichen schon.«