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Vielen Dank für den Besuch auf unserer Webseite. Wir möchten Ihnen Informationen über unseren Arbeitskreis geben und Sie motivieren bei uns mitzumachen. Gern informieren wir Sie, um Ihr Bewusstsein für die Probleme der Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern zu steigern. Wir hoffen, Sie für eine Mitarbeit in einer der Arbeitsgruppen motivieren zu können. Jede Unterstützung ist herzlich willkommen.
Zugleich soll diese Webseite auch eine Hilfe für die bei uns lebenden Flüchtlinge sein. So wollen wir sie über das Leben in Brakel informieren.
 

Die Not wird immer größer

Hans-Georg Harrer (hgharrer) on 05.11.2022

Die NEUE WESTFÄLISCHE hat in ihrer Ausgabe vom 5. und 6. November 2022 eine gut recherchierte und informative Reportage über unsere Kleiderkammer veröffentlicht, die wir zusammen mit der Pfarrcaritas Brakel betreiben. Wir danken der NW für den umfassenden Bericht zu unserer ehrenamtlichen Arbeit. Wir drucken hier den Text der Reportage ab.

 

Die Not wird immer größer

Ein Besuch beim Team des Möbellagers in Brakel, das mit großem ehrenamtlichen Engagement nicht nur Bedürftige versorgt. Sie berichten, warum sie manchmal hart im Nehmen sein müssen, was sie ärgert und warum sie trotzdem mit Freude bei der Sache sind.

NW vom 5./6. November 2022 Autor: David Schellenberg

Kreis Höxter/Brakel. Schon eine halbe Stunde vor Öffnung der Tür stehen die ersten Kunden in der bitteren Kälte und warten auf Einlass. Die Schlange wird schnell länger. Kinder und Senioren sind darunter. Hilfsbedürftige Deutsche ebenso wie Flüchtlinge. Drinnen wuselt das ehrenamtliche Team des Caritas-Möbellagers in Brakel, räumt letzte Produkte hin und her, spricht sich ab. Denn wenn die Tür erst offen ist, ist dafür kaum mehr Zeit. Die Not wird immer größer. Das spüren sie hier ganz besonders und haben deshalb einen etwas ungewöhnlichen Appell an die Lokalpolitik.

Gegen Vorurteile

Gleich mehrere Vorurteile lösen sich in Luft auf, wenn man die zugige Halle betritt. Denn auch wenn sich die Einrichtung an der Warburger Straße Möbellager nennt, hier gibt es alles, was Menschen zum Leben brauchen für einen kleinen Preis. Natürlich können Kunden hier Schränke, Sessel und Betten finden. Aber auch Jacken, Schuhe und Pullover in allen Größen und Farben. Die stehen und hängen gleich neben Löffeln, Tellern, Tassen, Mixern und Wasserkochern in der Haushaltsabteilung.

Ein paar Gänge weiter ist Musik zu hören. Bruno Gersthahn hat eine Kinderziehharmonika ausgepackt und probiert sie einfach mal aus. Spielen kann er das Instrument freilich nicht. Aber es macht Spaß, ihm ein paar Töne zu entlocken. „Ohne Humor geht es nicht. Da wäre manches nur schwer zu ertragen“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Doris Disse. Und das ist das zweite Missverständnis, mit dem man hierher kommt. Die Not ist zwar sichtbar und spürbar, aber sie erdrückt das rund 20-köpfige Team des Möbellagers nicht. Sie sind mit großem Enthusiasmus und sichtbarer Freude bei der Sache. Helfen sich gegenseitig und den Kunden, frotzeln auch mal. Aber immer mit einem Lächeln auf den Lippen.

Es kostet viel Zeit

Das ist auch wichtig, denn es sind längst nicht nur die fünf Stunden Öffnungszeit in der Woche, in denen ihre volle Tatkraft gebraucht wird. Allein die Buchhaltung, für die Sabine Dietz verantwortlich ist, nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Zudem muss die Ware entgegengenommen und sortiert werden. Größere Möbelstücke werden gegen eine Kilometerspende auch abgeholt. All das braucht viel Zeit. Vorsitzender Michael Saalfeld spricht von einem Fulltime-Job. Neben seiner Arbeit.

Eine kleine Anekdote, über die sie heute lachen können, die sie aber viel zusätzliche Kraft gekostet hat, zeigt exemplarisch, was das Team hier leistet. Als Anfang März die Flüchtlingswelle aus der Ukraine einsetzte, startete das Team des Möbellagers einen öffentlichen Aufruf, vor allem Kleidung zu spenden. Massenweise haben die Brakeler und ihre Nachbarn Säcke mit Klamotten vorbeigebracht. Die Folge: Bis Ostern hat das Team täglich Stunden damit verbracht, die Sachen zu sortieren.

Dabei, und das ist die Kehrseite, musste auch jede Menge verdreckte und kaputte Kleidung aussortiert werden. „Das ist teilweise schon heftig“, berichtet Doris Disse. Manchmal komme man sich dann vor wie bei einem Entsorgungsunternehmen. Die anderen in der Runde nicken. Und Sabine Dietz erinnert an das Gebiss in einer Zuckerdose, das sie einmal dabei fanden. „Wir sind vieles gewöhnt und inzwischen hart im Nehmen“, sagt Disse. Immerhin: Kleidung, die sie nicht mehr weitergeben können, geben sie für einen Obolus an ein Unternehmen weiter, das daraus Lappen herstellt. Dann fallen wenigstens die Entsorgungskosten weg.

Abgeben statt entsorgen

Aber eigentlich wollen sie hier nichts entsorgen. Im Gegenteil. Es geht dem Team nicht nur darum, Menschen mit geringem Einkommen zu unterstützen und ihnen Dinge zu ermöglichen, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Sondern auch darum, dass nichts weggeschmissen wird, was jemand anderes noch gut gebrauchen kann. „Alles, was sie hier sehen, wäre normalerweise auf der Deponie gelandet“, sagt Vorsitzender Michael Saalfeld und lässt den Blick schweifen.

Auch wenn alles ziemlich vollgestellt erscheint, sei es im Moment aus seiner Sicht ziemlich leer, vor allem im Bereich der Möbel. Der Grund: Viele Flüchtlinge aus der Ukraine wurden in den vergangenen Monaten ausgestattet. Sie leben oft in eigenen Wohnungen, haben aber keine eigenen Möbel, berichtet Saalfeld. Für viele Kinder wurden Computer besorgt und aufbereitet – damit sie am Schulunterricht teilnehmen können.

Übrigens nicht nur für Schutzsuchende aus Brakel selbst, sondern auch aus der Umgebung. So werden beispielsweise immer wieder Flüchtlinge aus Nieheim, Bad Driburg oder Willebadessen in die Nachbarstadt geschickt, um sich dort auszustatten. „Wir schicken natürlich niemanden weg. Jeder ist willkommen“, sagt Saalfeld.

 

Doris Disse und Michael Saalfeld, die Leiter des Teams des Möbellagers und der Kleiderkammer

Mehr Anerkennung

Und doch hat er einen Wunsch: dass die engagierte Arbeit der Ehrenamtlichen auch offiziell mehr wertgeschätzt wird. Möglich wäre das unter anderem beim Tag der offenen Tür am 12. November. Das Team hat dazu alle Bürgermeister des Kreises und den Landrat eingeladen, sich über das, was hier für die Gesellschaft geleistet wird, zu informieren. Die Resonanz bei den Verwaltungschefs ist – freundlich ausgedrückt – bisher begrenzt.

Hunger nimmt zu

Natürlich wäre das Team auch für eine finanzielle Unterstützung des Kreises und der Städte dankbar. „Bisher gibt es die überhaupt nicht“, sagt Saalfeld. Die Kosten hingegen sind hoch. Allein die Hallenmiete beträgt rund 1.000 Euro. Dazu kommen Energie und die Unterhaltung für drei Fahrzeuge.

Die werden insbesondere auch für den großen anderen Bereich gebraucht, in dem sich der Verein, der offiziell „Caritas Konferenz – Tischlein deck dich“ heißt, engagiert: den Brakeler Tisch, der Bedürftige mit Essen versorgt. Allein am vergangenen Dienstag wurden rund 400 Menschen mit Lebensmitteln versorgt, berichtet Saalfeld. Tendenz deutlich steigend. Um die Tafel kümmert sich ein weiteres rund 30-köpfiges Team, denn die Waren müssen von Märkten in der Umgebung abgeholt werden. Und es werden immer mehr Produkte hinzugekauft. Für diese steigen die Kosten enorm. Auch deshalb freut sich der Verein über jede Unterstützung.

Auch für Gutverdiener

Zurück zu Bruno Gersthahn, der die Kinderziehharmonika wieder in der Kiste verstaut und sichtbar positioniert hat, damit sie einen Interessenten findet. Er verantwortet heute die Deko-Abteilung. „Bei mir gibt es alles, was schön ist“, sagt er lachend. Preise stehen an den einzelnen Produkten übrigens nicht dran. Die werden je nach Kunden individuell ausgehandelt. Da kann die Winterjacke für den einen zwei Euro, für den anderen aber zehn Euro kosten, erklärt Doris Disse. Wer etwas mehr hat, soll auch etwas mehr bezahlen. Denn es kommen durchaus auch gut verdienende Bürger vorbei, die hier auf ein Schnäppchen hoffen. Das ist erwünscht. Denn alles, was reinkommt, soll ja auch wieder raus. Hauptsache, es wird nichts weggeschmissen.

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